Neuer Aufruf Demokratie leben!
Demokratieförderung, Extremismusprävention und Vielfaltgestaltung
Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ eröffnet eine neue Förderrunde und hat mehrere Förderaufrufe angekündigt, die ab Anfang August geöffnet sind. Bist du im Feld der Demokratieförderung, der Extremismusprävention oder der Gestaltung der gesellschaftlichen Vielfalt unterwegs und möchtest in diesem Jahr eine Finanzierung beantragen, musst du jetzt aktiv werden.
Auch für diese Förderrunde ist das Fenster für eine Einreichung wieder kurz – du kannst deine Interessensbekundung ab dem 3. August bis zum 4. September abgeben. Der Aufwand kann sich lohnen, denn die Förderhöhe ist beachtlich. Also, schauen wir uns das Programm und die Aufrufe genauer an!
Das Bundesprogramm „Demokratie leben“
Bevor ich in die einzelnen Themen einsteige hier noch kurz wichtige Hinweise zum Ablauf der Antragstellung.
Demokratie leben! ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Das Antragsverfahren läuft zweistufig, das heißt, zunächst reichst du eine Interessensbekundung ein, diese wird geprüft und bewertet. Wird dein Projekt zur Förderung ausgewählt, wirst du aufgefordert, einen Antrag zu stellen. Die oben genannten Fristen beziehen sich also auf die Interessensbekundung.
Neu ist, dass die Aufrufe auf vier sogenannten Programmebenen verteilt sind:
- Kommune
- Land
- Bund
- Digitaler Raum
Was bedeutet das? Die Programmebene gibt aus, in welchem Rahmen sich die Maßnahmen deines Projektes bewegen müssen. Beantragst du in einem Aufruf auf der Landesebene, muss dein Projekt überregional sein und auf landesbezogene Strukturen wirken. Ist es auf Bundesebene, so muss das Wirkungsgebiet deines Projektes mindestens drei Bundesländer umfassen. Du musst also auf der Programmebene Bund nicht alle 16 Bundesländer abdecken.
Einen Aufruf auf der Ebene Kommune ist in dieser Runde nicht dabei.
Die Interessensbekundung
Die Interessensbekundung ist eine wichtige Hürde, die du nehmen musst. Sie ist ein Antrag in abgespeckter Form, in der du deine Projektidee samt Inhalten und Methoden darstellst. Sie wird nach festgelegten Bewertungskriterien geprüft, die du in der Ausschreibung findest. Lies dir diese Kriterien in jedem Fall aufmerksam durch und achte darauf, dass du sie in deiner Interessensbekundung berücksichtigst! Denn sie bildet die Grundlage für die fachliche Bewertung deines Projektes.
Wirst du zur Antragstellung aufgefordert, stehen deine Förderaussichten gut. Das heißt aber auch, dass du in der Interessenbekundung überzeugen musst und eine gute Projektidee abgeben solltest.
In der Regel kannst du im eigentlichen Antrag dann noch Details deines Projektes variieren, vielleicht ändert sich noch etwas an deinen Kosten, oder Durchführungsorte oder die Personalaufteilung. Die grundsätzliche Ausrichtung deines Projektes muss aber gleich bleiben.
Zielgruppen der Förderung
Demokratie leben! richtet sich primär an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch ihre Eltern, Familienangehörigen und Bezugspersonen können Zielgruppen von Projekten sein. Darüber hinaus kann sich dein Projekt an Fachkräfte oder MultiplikatorInnen richten, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oder in anderen Regelstrukturenw tätig sind.
Welche Zielgruppe zu deinem Projekt passt, hängt vom jeweiligen Förderaufruf und Themenfeld ab. Es reicht nicht aus, möglichst viele Zielgruppen aufzuzählen. Du solltest nachvollziehbar erklären, warum du gerade diese Menschen erreichen möchtest und wie dir der Zugang zu ihnen gelingt.
Förderhöhe und Dauer
Für Projekte auf den Programmebenen Bund und Digitaler Raum sowie im Sondervorhaben Integration und Teilhabe können grundsätzlich bis zu 300.000 Euro pro Jahr und Projekt beantragt werden. Auf der Programmebene Land gibt es in dieser Förderrunde sogar bis zu 320.000 Euro pro Projekt pro Jahr.
In der Regel musst du Eigen- oder Drittmittel in Höhe von zehn Prozent der Gesamtausgaben einbringen. Drittmittel können beispielsweise Förderungen anderer Stellen sein, sofern eine Kombination nach den jeweiligen Förderbedingungen zulässig ist.
In der Regel musst du Eigen- oder Drittmittel in Höhe von 10% der Gesamtausgaben einbringen. Drittmittel können beispielsweise Förderungen anderer Stellen sein, sofern eine Kombination nach den jeweiligen Förderbedingungen zulässig ist.
Der mögliche Förderzeitraum reicht von 2027 bis 2030 und damit über maximal vier Jahre. Aber vorsicht! Die Bewilligung erfolgt jedoch nicht automatisch für den gesamten Zeitraum. Für jedes Förderjahr muss erneut ein Antrag gestellt werden.
Wer kann sich um eine Förderung bewerben?
Als Antragstellende kommen grundsätzlich juristische Personen des Privatrechts infrage. Dazu gehören beispielsweise:
- eingetragene Vereine,
- gemeinnützige Gesellschaften,
- Stiftungen,
- Verbände.
Diese müssen gemeinnützig sein und einen entsprechend Bescheid einreichen.
Doch nun zu den Themen:
Förderaufrufe in Demokratie leben!
Die neuen Förderaufrufe lassen sich nicht mehr sinnvoll nach den bisherigen Themen Vielfaltgestaltung, Extremismusprävention, Demokratieförderung sowie Kompetenznetzwerke und Kompetenzzentren gliedern.
Stattdessen gibt es aktuell sechs eigenständige Förderaufrufe, die sich in zwei Gruppen einteilen.
Förderaufrufe für Projekte:
- Projekte auf der Programmebene Bund im Handlungsfeld Demokratiebildung
- Projekte auf der Programmebene Bund im Handlungsfeld Extremismusprävention
- Projekte auf der Programmebene Digitaler Raum
- Projekte im Sondervorhaben Integration und Teilhabe
Förderaufrufe für Koordinierungsvorhaben:
- Koordinierung von Projekten auf der Programmebene Land
- Koordinierung von Projekten auf den Programmebenen Bund und Digitaler Raum sowie im Sondervorhaben Integration und Teilhabe
Die ersten vier Förderaufrufe richten sich an Organisationen, die konkrete Projekte umsetzen möchten. Die beiden Koordinierungsaufrufe betreffen dagegen die übergeordnete Vernetzung, Qualitätssicherung, fachliche Weiterentwicklung und den Transfer der geförderten Projekte.
Das ist eine Menge Holz. Entsprechend werde ich in diesem Beitrag die Aufrufe nur anreißen, damit du dir ein Bild machen kannst und entscheiden kannst, bei welchem der Aufrufe du mit deiner eigenen Recherche anfangen solltest.
Demokratiebildung auf der Programmebene Bund
Dieser Förderaufruf unterstützt Projekte, die Menschen dazu befähigen, mündig, aktiv und verantwortungsbewusst an einer demokratischen Gesellschaft mitzuwirken. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Wissen. Demokratie soll im Alltag praktisch erfahren werden – etwa durch Beteiligung, Mitbestimmung, Dialog und einen konstruktiven Umgang mit Konflikten.
Inhaltlich können Projekte beispielsweise:
- Demokratiekompetenzen stärken,
- Beteiligung und demokratische Selbstwirksamkeit ermöglichen,
- bisher wenig engagierte Gruppen ansprechen,
- demokratische Resilienz fördern,
- Vertrauen in demokratische Institutionen stärken,
- Kompetenzen zur demokratischen Konfliktbearbeitung vermitteln.
Wichtig ist, dass sich dein Projekt auf eine Regelstruktur konzentriert und dort als zusätzliches Angebot wirkt.
Der Aufruf kann beispielsweise zu dir passen, wenn du Beteiligungsmöglichkeiten in einer Schule ausbauen, demokratische Prozesse in einem Verein stärken oder Fachkräfte in der Jugendsozialarbeit für den Umgang mit gesellschaftlichen Konflikten qualifizieren möchtest.
Hier findest du den Förderaufruf Demokratiebildung.
Extremismusprävention auf der Programmebene Bund
Dieser Förderaufruf unterstützt Projekte, die Radikalisierung frühzeitig entgegenwirken, extremistische Einstellungen bearbeiten und Betroffene schützen. Die Maßnahmen können sowohl in digitalen als auch in analogen Lebenswelten ansetzen. Sie richten sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, deren soziales Umfeld sowie an Fachkräfte und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Regelstrukturen.
Gefördert werden Projekte in acht Themenfeldern:
- Rechtsextremismus,
- Linksextremismus,
- islamistischer Extremismus,
- phänomenübergreifender Extremismus,
- Antisemitismus,
- Antiziganismus,
- Rassismus,
- Ausprägungen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, beispielsweise Frauen-, Queer- oder Behindertenfeindlichkeit.
Wichtig ist, dass du dich mit deinem Vorhaben einem der acht Themenfelder zuordnest und mindestens eines der dafür genannten Ziele verfolgst. Außerdem müssen die entwickelten Ansätze fortlaufend in die Praxis oder in bestehende Regelstrukturen übertragen werden.
Der Aufruf kann beispielsweise zu dir passen, wenn du Fachkräfte im Umgang mit Radikalisierung qualifizieren, junge Menschen gegen extremistische Ansprachen stärken oder diskriminierungskritische Ansätze dauerhaft in einer Regelstruktur verankern möchtest.
Hier findest du den Förderaufruf Extremismusprävention.
Projekte auf der Programmebene Digitaler Raum
Dieser Förderaufruf verbindet Demokratiebildung und Extremismusprävention mit digitalen Lebenswelten. Menschen sollen dort erreicht werden, wo sie sich informieren, austauschen und an gesellschaftlichen Debatten beteiligen. Gleichzeitig nimmt der Aufruf Risiken wie Desinformation, digitale Anfeindungen, Verschwörungsdenken und Radikalisierung in den Blick.
Gefördert werden Projekte in vier Themenfeldern:
- Digitale Teilhabe und Medienkompetenzen
- Präventionsarbeit gegen Anfeindungen im Netz und Desinformation
- Demokratiebildung und Präventionsarbeit im Gaming
- Resilienz gegen Extremismus und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im digitalen Raum
Wichtig ist, dass es nicht allein um die Entwicklung eines digitalen Tools oder einer Plattform geht. Dein Projekt muss einen klaren Beitrag zur Demokratiebildung oder Extremismusprävention leisten und seine Ergebnisse fortlaufend in die Praxis oder in bestehende Regelstrukturen übertragen.
Der Aufruf kann beispielsweise zu dir passen, wenn du Fachkräfte für neue digitale Phänomene qualifizieren, junge Menschen gegen Desinformation stärken oder mit Games neue Formate der Demokratiebildung entwickeln möchtest.
Hier findest du den Förderaufruf Digitaler Raum.
Sondervorhaben Integration und Teilhabe
Dieser Förderaufruf nimmt das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft in den Blick. Gefördert werden Projekte, die gesellschaftliche Teilhabe und Mitgestaltung stärken sowie Begegnung, Dialog und eine konstruktive Konfliktbearbeitung fördern. Dabei sollen insbesondere Fachkräfte und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Regelstrukturen unterstützt werden.
Der Aufruf umfasst zwei Themenfelder:
- Teilhabe und Chancengerechtigkeit
- Zusammenhalt und Dialog
Im Themenfeld Teilhabe und Chancengerechtigkeit geht es darum, Barrieren abzubauen und Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten bessere Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und demokratischen Mitwirkung zu eröffnen.
Das Themenfeld Zusammenhalt und Dialog unterstützt Projekte, die Begegnung und Austausch in der Einwanderungsgesellschaft fördern. Dabei sollen auch gesellschaftliche, politische und globale Entwicklungen sowie deren Auswirkungen auf das Zusammenleben in Deutschland aufgegriffen werden.
Der Aufruf kann beispielsweise zu dir passen, wenn du eine Einrichtung interkulturell öffnen, Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen verbessern oder Dialogformate zu gesellschaftlichen Konflikten entwickeln möchtest.
Hier findest du den Förderaufruf Integration und Teilhabe.
Koordinierung der Projekte auf Bundesebene
Die zuvor beschriebenen Projekte sollen nicht für sich allein arbeiten. Deshalb fördert „Demokratie leben!“ in diesem Förderaufruf Organisationen, die die Projekte eines Themenfeldes vernetzen, fachlich begleiten und ihre Ergebnisse weitertragen.
Für die Bereiche Demokratiebildung, Extremismusprävention, Digitaler Raum sowie Integration und Teilhabe sind jeweils eigene Koordinierungen vorgesehen.
Zu ihren Aufgaben gehören vor allem:
- die fachliche Begleitung der geförderten Projekte,
- der Austausch und die Vernetzung untereinander,
- die Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität,
- der Transfer von Erfahrungen und Ergebnissen in die Praxis.
Dieser Aufruf richtet sich an erfahrene Organisationen, die in einem der Themenfelder bereits bundesweit tätig und gut vernetzt sind. Er passt also nicht zu einem einzelnen Projektvorhaben, sondern zu Trägern, die ein ganzes Themenfeld begleiten und weiterentwickeln können.
Hier findest du den Förderaufruf Koordinierung Projekte Bundesebene.
Koordinierung der Projekte auf der Programmebene Land
Der letzte Förderaufruf betrifft die bundesweite Koordinierung von Beratungsangeboten, die auf der Programmebene Land gefördert werden.
Vorgesehen ist jeweils eine Koordinierung für folgende Bereiche:
- Opfer- und Betroffenenberatung,
- Mobile Beratung,
- Ausstiegs- und Distanzierungsberatung,
- Extremismusprävention in Strafvollzug und Bewährungshilfe.
Die Koordinierungsstellen sollen die Angebote in den Bundesländern fachlich begleiten, miteinander vernetzen und gemeinsame Qualitätsstandards weiterentwickeln. Außerdem sorgen sie dafür, dass Erkenntnisse aus der Beratung in andere Projekte und Regelstrukturen übertragen werden.
Auch dieser Aufruf richtet sich an bundesweit erfahrene und gut vernetzte Organisationen. Er passt zu dir, wenn dein Träger in einem der vier Beratungsfelder bereits über mehrjährige Fachkenntnisse verfügt und die Angebote der Länder bundesweit koordinieren kann.
Hier findest du den Förderaufruf Koordinierung Projekte Landesebene.
Das war mein Überblick zum Programm Demokratie leben! und den neuen Förderaufrufen für Projekte ab 2027. Ich schrieb es ja schon, du kannst deine Interessensbekundung ab 3. August einreichen und hast bis zum 4. September zeit. Wenn also einer der Aufrufe dein Interesse geweckt hat, verliere keine Zeit! Die Webseite zum Programm findest du hier. Viel Erfolg!
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