Förderprogramm für Personal-, Organisationsentwicklung & Kulturwandel in der Sozialwirtschaft

rückenwind ist ein Förderprogramm des ESF, es richtet sich speziell an Organisationen der Sozialwirtschaft und unterstützt den Kulturwandel in Organisationen, um Herausforderungen wie Fachkräftesicherung, Digitalisierung und demographischen Wandel zu meistern. Mehr über die Schwerpunkte und Fördermöglichkeiten des Programms erfährst du in diesem Beitrag.

rückenwind – ein Programm, das sich entwickelte

rückenwind läuft nun in der dritten Förderperiode, wie du ja vielleicht weißt, laufen EU-Förderperioden immer über sieben Jahre. Aktuell sind wir in der Förderperiode 2021-2027, und rückenwind ist schon zum dritten Mal dabei. In dieser Zeit hat es sich ziemlich weiterentwickelt.

In der Förderperiode 2007-2013 lag der Schwerpunkt des Programms auf Personalentwicklung und Qualifizierungsmaßnahmen. Dabei wurde klar, dass reine Personalqualifizierung nicht zielführend ist, wenn sich nicht auch die Organisation, ihre Strukturen und Prozesse ändern. In der Förderperiode 2014-2020 gewann rückenwind deshalb ein Plus dazu, hieß rückenwind+ und förderte Personal- und Organisationsentwicklung.

Dabei blieb es nicht, es zeigte sich, dass Führungskultur, Kommunikation, Leitbild und Werte wichtige Variablen einer Organisationsentwicklung sind. rückenwind + wurde deshalb nochmal erweitert. Es fördert in der aktuellen Förderperiode als rückenwind3 Personal- und Organisationsentwicklung sowie den Kulturwandel. Dazu gibt es fünf Förderschwerpunkte, die wir uns gleich anschauen, erst gebe ich dir aber noch ein paar wissenswerte Infos zum Programm.

Wissenswertes zu rückenwind3

Ich schrieb es eingangs schon, rückenwind ist ein Programm des ESF, des Europäischen Sozialfonds. Als klassisches arbeitspolitisches Programm ist es dem BMAS – dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales – zugeordnet. Programmpartner des BMAS ist die Bundesarbeitsgemeinschaft für Freie Wohlfahrtspflege, die BAGFW. Was heißt das?

Beratung durch die Regiestelle

Die BAGFW arbeitet als Partner mit dem BMAS zusammen, gemeinsam entwickeln sie die Programmlinien und entscheiden auch über die eingereichten Anträge. Außerdem gibt es bei der BAGFW eine ESF-Regiestelle für rückenwind. Die Mitarbeitenden dort beraten dich bei deinem Vorhaben, du kannst hier Projektskizzen einreichen und dir eine Einschätzung abholen.

Der Antrag bei rückenwind3

Für Rückenwind sind in der aktuellen Förderperiode zwei Ausschreibungen pro Jahr vorgesehen. Die aktuelle Ausschreibung ist seit dem 04 Juli raus, bewerben kannst du dich bis zum 09. September. Sollte diese Frist für dich zu kurz sein, macht das nichts, denn die nächste Ausschreibung ist schon für Januar 2023 geplant. Zeit genug, in Ruhe ein Projekt zu planen.

rückenwind hat ein zweistufiges Antragsverfahren. Der erste Schritt ist eine Interessensbekundung, wird diese positiv votiert, kannst du einen Antrag stellen. Beides – sowohl der Antrag als auch die Interessensbekundung – laufen über das Förderportal Z-EU-S. Das ist ein bisschen sperrig, aber hast du dich einmal erfolgreich angemeldet und alle Rollen zugewiesen funktioniert es ganz gut.

So. Genug der Hintergründe, kommen wir zum Inhalt.

Die fünf Förderschwerpunkt von rückenwind3

Ich schrieb es eingangs schon, in der aktuellen Förderrunde hat rückenwind fünf Förderschwerpunkte, im Programm werden sie Handlungsfelder genannt. Für dein Vorhaben musst du dich auf eines der Handlungsfelder fokussieren. Das darf dann ruhig Schnittstellen zu den anderen Handlungsfeldern haben, aber dein Schwerpunkt sollte klar erkennbar sein.

Die Handlungsfelder A bis E sind diese:

(A) Arbeitsmodelle und Arbeitsorganisation

Hier geht es um die Entwicklung und Erprobung moderner Arbeitsmodelle und -organisation im Kontext einer sich wandelnden Arbeitswelt in sozialen Berufs-und Arbeitsfeldern

Themen sind zum Beispiel

  • Partizipation
  • Agiles Arbeiten
  • hierarchie-und bereichsübergreifendes Arbeiten
  • digitalbasierte Kommunikations-und Abstimmungsformate
  • Lebensphasenorientierung und Vereinbarkeit
  • Gesundheit

(B) Chancengleichheit und inklusive Arbeitsumgebung

Verbesserung der Chancengleichheit durch analoge & digitale Qualifizierung und Schaffung einer inklusiven Arbeitsumgebung – das sind die Inhalte dieses Handlungsfeldes.

Hierzu gehören Themen wie zum Beispiel

  • die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
  • die Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen,
  • die Erhöhung des Fachkräfteanteils von Menschen mit Migrationshintergrund,
  • die Erhöhung des Anteils von Menschen mit Beeinträchtigungen
  • berufliche Entwicklungschancen
  • Karriereförderung
  • interkulturelle Öffnung
  • Gendergerechtigkeit

(C) Umgang mit neuen Arbeitsplatztechnologien

Hier werden Maßnahmen gefördert, die Beschäftigte und Unternehmen beim Umgang mit neuen Arbeitsplatztechnologien unterstützen, insbesondere im Hinblick auf die Anpassung von Kompetenzen und Tätigkeitsprofilen

Themen sind zum Beispiel

  • Anpassung von Tätigkeitsprofilen
  • Mensch-Maschine-Interaktion
  • Effizienzsteigerung durch digital-gestützte Prozesse

(D) Personalgewinnung und Personalbindung

Die Anwendung analoger und digitaler Strategien zur Personalgewinnung & Personalbindung ist Inhalt dieses Handlungsfeldes, unter anderem mit Blick auf online-gestützte Angebote und digitale Kommunikationsformate.

Geschlecht, Alter, Herkunft, berufliche Biografie und Lebensphasen von Beschäftigten spielen hier eine Rolle, vor allem auch QuereinsteigerInnen und bisher zu wenig berücksichtigte Zielgruppen

Themen sind zum Beispiel

  • Personalmarketing und Bewerbermanagement
  • On-und Off-Boardingkonzepte
  • Wissensmanagement
  • Bedarfs-und Kompetenzmanagement
  • Nachwuchs-und Talentmanagement

(E) Führungs- und Unternehmenskultur

Im letzten Handlungsfeld geht es um die Begleitung und Qualifizierung von Beschäftigten und die Weiterentwicklung der Führungs-und Unternehmenskultur. Damit soll die Wandlungs-und Zukunftsfähigkeit in gemeinnützigen Einrichtungen, Diensten und Unternehmen der Sozialwirtschaft gestärkt werden.

Mögliche Themen sind

  • Arbeit an Haltungen und Fähigkeiten
  • Vernetzungs-und Erfahrungstransfer
  • Führungskräfteentwicklung
  • Leitbildentwicklung

Wissenswertes zur Förderung von rückenwind3

Lässt du dein Projekt über rückenwind fördern, darf es maximal 36 Monate laufen. Die Gesamtausgaben dürfen nicht höher als 1,2 Millionen betragen, aber das ist ja schon eine Summe, mit der sich was machen lässt.

Förderquote und Eigenanteil

Die Förderquote von rückenwind hängt von der Größe deiner Organisation ab.

Bei Großunternehmen mit mehr als 250 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) liegt sie bei 50%

Bei mittleren Unternehmen mit mehr als 50 VZÄ gibt es 60% Förderquote

Kleine Unternehmen mit weniger als 50 VZÄ fördert rückenwind mit 70%.

Dein Eigenanteil liegt also zwischen 50% und 30%, du hast verschiedene Möglichkeiten, ihn zu finanzieren.

Zum Beispiel kannst du ihn über Teilnehmenden-Einkommen bestreiten. Das sind die Kosten, die dadurch entstehen, dass die Mitarbeitenden deiner Organisation in ihrer Arbeitszeit an Veranstaltungen des Projektes teilnehmen. Voraussetzung ist, dass sie aktiv in einer solchen Veranstaltung teilnehmen, reine Infoveranstaltungen zum Projekt gehen leider nicht.

Du kannst auch vorhandenes Personal für das Projekt freistellen und so deinen Eigenanteil bestreiten. Eine letzte Variante wären Stiftungsgelder oder freie Spenden.

Das wird gefördert

Rückenwind fördert Personal- und Honorarkosten. Auf diese gibt es eine Sachkostenpauschale von 24%, mit der du alle weiteren Kosten decken musst. 

Bei den Personalkosten kannst du maximal drei Vollzeitstellen beantragen, eine Verwaltungskraft mit mindestens 25% Beschäftigungsumfang muss ebenfalls eingeplant werden. Honorare gehen nur für qualifizierende, beratende und moderierende Tätigkeiten, also alles, wo am Ende kein Produkt wie eine Grafik oder ähnliches steht.

Honorare der produkterstellenden Kategorie fallen unter die Sachkosten.

Das Wort zum Schluss

Es gäbe noch viel zum Programm zu sagen, das würde aber den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Wenn dich das Programm interessiert, schau dich auf der Seite der ESF-Regiestelle zu rückenwind um. Dort findest du viele Infos zu den einzelnen Handlungsfeldern, den Ansprechpersonen und Beratungsmöglichkeiten und natürlich auch die Förderrichtlinie mit vielen ergänzenden Dokumenten.


Du hast noch Fragen?

1. Finde viele weitere Fördermöglichkeiten über die Schlagwortwolke

Rechts in der Seitenleiste findest du die Schlagwortwolke. Klicke auf den Begriff, der dich interessiert und finde jede Menge weiterer Fördermöglichkeiten oder aber ein Thema, zu dem du mehr wissen willst, wie zum Beispiel Projekttransfer, Gender Mainstreaming oder die Belegliste. Probier´s aus!


2. Finde Themen über die Suchfunktion

Hast du eine bestimmte Fördermöglichkeit im Kopf oder einen bestimmten Begriff, zu dem du mehr wissen willst, dann nutze die Suchfunktion. Du findest sie oben rechts im Blog, sie verbirgt sich hinter der kleinen Lupe.


3. Finde Hilfen zur Antragstellung in der Rubrik „Der Antrag“ 

In der Rubrik „Der Antrag“ findest du viele Tipps zum Schreiben deines Antrages; wie du einzelne Elemente formulierst, Projektziele festlegst, Indikatoren entwickelst oder was du zu Gender oder Nachhaltigkeit schreiben kannst und vieles mehr.

Wer schreibt hier?

Bild Monika Vog

Schön, dass du hier bist.

Mein Name ist Monika Vog,

ich bin Fundraiserin und Fördermittelexpertin für gemeinnützige Projekte und Aktionen.

In meinem Blog dreht sich alles um diese Fragen:

  • Wie finde ich aus den unzähligen Fördermöglichkeiten die passende Förderung für mein Vorhaben?
  • Wie schreibe ich einen überzeugenden Antrag?
  • Was muss ich beim Verwendungsnachweis beachten?

Willst du mehr über mich und den Blog foerdermittel-wissenswert wissen, kannst du hier weiterlesen.

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