Immer wieder mal musst du bei Anträgen beschreiben, inwieweit dein Projekt Gender Mainstreaming beachtet, besonders bei öffentlichen Förderern oder bei EU-Anträgen sind dazu konkrete Angaben im Antrag notwendig. Meist löst diese Frage ein leichtes Stirnrunzeln oder Ratlosigkeit aus und wird eher lapidar beantwortet.

In diesem Beitrag erfährst du, wie du sie passend für dein Projekt beantworten und damit besonders bei EU-Anträgen wertvolle Punkte sammeln kannst. Wie immer gilt auch hier, dass dieser Blogbeitrag keine wissenschaftliche Abhandlung zum Thema ist. Mir geht es vielmehr darum, dir eine Idee zu vermitteln und ein paar Beispiele zu zeigen, so dass du ausreichend gerüstet bist, um diesen Punkt im Antrag für dein Projekt gut zu beantworten.  

Was ist Gender Mainstreaming?

Bevor wir konkret einsteigen ist erstmal eine Begriffsklärung notwendig. Eine verschwommene Vorstellung, dass Gender etwas mit Gleichstellung der Geschlechter zu tun hat, haben wohl die meisten. Aber was ist Gender Mainstreaming eigentlich genau?

Gender – das soziale Geschlecht

Um das Geschlecht eines Menschen zu beschreiben gibt es im englischen zwei Begriffe: Gender und sex. ‚Sex‘ beschreibt das biologische Geschlecht, das ist wohl soweit allen klar. ‚Gender‘ beschreibt das soziale Geschlecht, also alle Rollenbilder, die zu Männern oder Frauen – alle anderen Geschlechtsbilder lasse ich hier mal außen vor – in der Gesellschaft existieren.

Rollenbilder von Männern oder Frauen fallen dir bestimmt jede Menge ein, dazu muss ich nichts weiter schreiben. Gender beschreibt eine Rollenzuschreibung von außen, die Frauen ebenso wie Männer häufig auch verinnerlicht haben.

Mainstreaming und Gender

Mainstreaming bedeutet einfach gesagt, einen Blick auf diese Rollenbilder zu werfen und sie bei der Politik oder bei Maßnahmen und Projekten zu beachten. Das heißt, dass die unterschiedlichen Lebenssituationen und Bedürfnisse von Frauen und Männern oder Jungen und Mädchen schon bei der Planung eines Vorhabens berücksichtigt werden.

Das Ziel ist natürlich, beide Geschlechter mit dem Projekt anzusprechen und die MAßnahme so zu gestalten, dass sowohl Männer als auch Frauen angesprochen werden und die gleichen Chancen zur Teilhabe haben.

Gender Mainstreaming in der Praxis

Willst du Gender Mainstreaming in deinem Projekt ernsthaft mit einbinden, ist es also erstmal wichtig, sich zu überlegen, welche Hürden es für eine gleichberechtigte Teilhabe zu überwinden gilt. Wie sind die Lebensumstände deiner Zielgruppe und inwieweit können sie ein Hemmnis sein oder eine Teilnahme am Projekt verhindern? Die Antwort auf diese Fragen hängt natürlich von deiner konkreten Zielgruppe ab. Sind das

  • Frauen oder Männer einer bestimmten Altersgruppe,
  • Frauen oder Männer aus bestimmten Kulturkreisen
  • Jungs oder Mädchen
  • Erwerbstätige oder arbeitslose Menschen
  • und so weiter

Die Maßnahmen, die du in deinem Projekt für eine gleichberechtigte Teilhabe ergreifst, sind abhängig von den Lebensumständen deiner konkreten Zielgruppe, du musst sie also genau in den Blick nehmen.

Dafür habe ich ein Beispiel für dich aus einer Arbeitshilfe zur Umsetzung von Gender Mainstreaming in den Ministerien des Landes Baden-Württemberg. Hier kannst du ganz gut sehen, wie du einen „Gender-Blick“ auf deine Zielgruppe werfen kannst:

Beispiel :  Leseförderung

PISA-Studie: Die größten und konsistentesten Geschlechterunterschiede sind im Bereich Lesen zu beobachten. In allen PISA-Teilnehmerstaaten, insbesondere in den OECD-Staaten erreichen Mädchen hier signifikant höhere Testwerte als die Jungen. Zitat nach PISA 2009.

Mögliche Leitfragen:

  • Zu welchen Ergebnissen und Erkenntnissen kamen Studien zur Entwicklung der Lesekompetenz bei Mädchen und Jungen?
  • Worauf sind Leistungsunterschiede bei Mädchen und Jungen im Lesen zurückzuführen?
  • Wie und zu welchem Zeitpunkt verfestigen sich die Interessenunterschiede bei Mädchen und Jungen?
  • Spricht die Auswahl des „Lesestoffs“, beispielsweise in der Schule oder in Bibliotheken, Jungen und Mädchen an?
  • Haben Mädchen und Jungen Lesevorbilder?
  • Inwiefern leben Mädchen und Jungen in unterschiedlichen Medienumgebungen?
  • Wie stehen Rollenbilder den Mädchen und Jungen beim Lernen und insbesondere beim Lesen im Wege?
  • Welche Geschlechterrollen vermittelt die aktuelle Kinder- und Jugendliteratur?

Du siehst, hier wird ausgehend vom Projektinhalt konkret überlegt, welche Unterschiede es bei Mädchen oder Jungen gibt. Wenn du diese kennst, kannst du mit entsprechenden Maßnahmen gegensteuern. Und die trägst du dann in deinen Antrag ein. 

Sollte diese offene Herangehensweise nichts für dich sein, kannst du auch nach einem bestimmten Raster vorgehen, das dir hilft, gute Argumente zu finden. Das erklär ich dir jetzt:

Gender Mainstreaming in deinem Projekt

Im Wesentlichen gibt es vier Felder, in denen du prüfen kannst, ob du besondere Maßnahmen ergreifen musst, um Gender Mainstreaming für deine Zielgruppe zu berücksichtigen. Dies sind

  • Ansprache und Akquise der Teilnehmenden
  • Die Rahmenbedingungen des Projektes
  • (Lern)Konzept und Begleitungsangebot
  • Vermittlung und Nachbetreuung

In einer Broschüre des ESF (Europäischer Sozialfonds) zur Umsetzung von Gender Mainstreaming in Projekten gibt es dazu eine ganz gute Aufstellung mit hilfreichen Fragen. Davon kannst du dich inspirieren lassen, und diese Fragen zu passenden Aussagen für dein Projekt umformulieren.

Diese Aufstellung bezieht sich auf Bildungsprojekte für Männer und Frauen und hat natürlich den ESF-typischen Arbeitsmarktbezug. Ich meine aber, dass sie auch für andere Projekte gut nutzbar und hilfreich ist.

Fragenraster zur Gender Mainstreaming

Akquise

  • Werden Frauen und Männer in der Zielgruppe durch die Art der Akquise gleichermaßen angesprochen?
  • Wird die unterrepräsentierte Gruppe adäquat und aktiv angesprochen, bspw. durch Wort und Bild, durch Werbung in zielgruppenrelevanten Medien etc., um ihre Beteiligung zu erhöhen?
  • Schließen die Zugangsvoraussetzungen möglicherweise bestimmte Gruppen aus

Rahmenbedingungen

  • Wird durch die zeitliche Gestaltung Rücksicht auf eventuelle Betreuungspflichten genommen?
  • Ist der Standort gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar?
  • Gibt es Unterstützung bei der Kinderbetreuung?
  • Wie sehen Lernort und Raumgestaltung aus? (bspw. Vermeidung von Angsträumen) Lernkonzept und Begleitungsangebot

(Lern)Konzept und Begleitungsangebot

  • Werden verschiedene Lern- und Kommunikationsstile berücksichtigt?
  • Werden geschlechtsbezogene Inhalte bearbeitet, und wird die Reproduktion von Geschlechterstereotypen vermieden?
  • Verfügt das Projekt- und Lehrpersonal über GenderKompetenz?

Vermittlung und Nachbetreuung

  • Wie wird die auf dem Arbeitsmarkt bzw. in bestimmten Berufen unterrepräsentierte Gruppe spezifisch unterstützt? (bspw. besondere Unternehmensakquise, Unterstützung beim Bewerbungsprozess)

Damit kann man schon was anfangen, oder? Schau, was zu deinem Projekt passt, vielleicht musst du das ein oder andere umformulieren, damit es zu deiner Zielgruppe passt, aber auf jeden Fall hast du damit schon eine Liste von Punkten, die zeigen, dass du dich mit Gender Mainstreaming auseinandergesetzt hast.

Weiterführende Infos

Wenn dir das noch nicht reicht und du dich gerne weiter in das Thema einarbeiten möchtest, habe ich noch drei Links für dich:

  1. Die Arbeitshilfe „Chancengleichheit konkret“ des Landes Baden-Württemberg zur Umsetzung von Gender Mainstreaming vertieft das Thema und gibt viele Beispiele, eines davon habe ich ja auch im Blog genutzt 
  2. Auf den Seiten der Agentur für Querschnittsziele im ESF findest du einige Infos zu Gender, aber auch zu Nachhaltigkeit und Antidiskriminierung 
  3. Ganz interessant fand ich auch die Seite der Agentur für Gleichstellung im ESF, diese wird zwar nicht mehr aktualisiert, hat aber trotzdem einige interessante Materialien 

So. Mit diesen Infos solltest du nun in der Lage sein, aussagekräftige Texte zum Thema Gender Mainstreaming in deinen Antrag zu schreiben. Ich wünsch dir viel Spaß dabei!

Wer schreibt hier?

Bild Monika Vog

Schön, dass du hier bist.

Mein Name ist Monika Vog,

ich bin Fundraiserin und Fördermittelexpertin für gemeinnützige Projekte und Aktionen.

In meinem Blog dreht sich alles um diese Fragen:

  • Wie finde ich aus den unzähligen Fördermöglichkeiten die passende Förderung für mein Vorhaben?
  • Wie schreibe ich einen überzeugenden Antrag?
  • Was muss ich beim Verwendungsnachweis beachten?

Willst du mehr über mich und den Blog foerdermittel-wissenswert wissen, kannst du hier weiterlesen.

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