Immer mehr Förderer legen Wert darauf, dass die Zielgruppe an deinem Projekt aktiv beteiligt wird, Partizipation ist das Stichwort der Stunde. Doch was heißt das eigentlich und wie baust du Partizipation in deinem Projekt ein? In diesem Beitrag erfährst du mehr dazu und erhältst einige gute Links zu Handbüchern, Methodensammlungen und weiteren Informationen.

Das Wort vorab

Ehe du weiterliest hier noch ein kurzer Hinweis: Ich bin keine Expertin für Partizipation, es gibt WissenschaftlerInnen, die sich ausführlich mit diesem Thema beschäftigen. Dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch, Partizipation auf wissenschaftlicher Ebene zu behandeln. Mir geht es darum, dir ein Verständnis von Partizipation zu vermitteln und dir praktisches Handwerkszeug an die Hand zu geben, mit dem du dein Projekt partizipativ ausrichten kannst.

Dazu habe ich mich ausgiebig durchs Netz gestöbert und einiges zu Beteiligungsmethoden auf politischer Ebene, bei Quartiersprojekten oder zur Gestaltung des Sozialraums gefunden.

Das fand ich für ein „normales“ Projekt – also eines im kulturellen, sozialen oder sportlichen Bereich, das sich an eine bestimmte Zielgruppe richtet – aber nicht wirklich hilfreich. Ein Jugendparlament ist eine super Sache, eine Zukunftswerkstatt sicher auch, aber das passt ja nicht wirklich zum Projektdesign meines „normalen“ Projektes. Einiges habe ich aber doch gefunden, und an diesen Fundstücken lasse ich dich nun gerne teilhaben.

Was ist Partizipation?

Partizipation wird gerne mit Teilhabe oder Beteiligung übersetzt, aber das trifft es nicht so ganz. Dann wäre ein Projekt ja partizipativ, wenn die Teilnehmenden zum Beispiel zu einem Fest Kuchen oder Snacks mitbringen würden, denn damit wären sie ja beteiligt an der Durchführung des Festes – könnte man meinen.

Laut WHO bedeutet Teilhabe das „Einbezogensein in eine Lebenssituation“, Partizipation geht darüber hinaus. Partizipation bedeutet, dass Menschen an Entscheidungsprozessen beteiligt sind und auf das Ergebnis auch Einfluss nehmen können. Ich habe dazu ein schönes Beispiel gefunden: Teilhabe ist, wenn Menschen mit Behinderungen barrierefrei ein Gebäude betreten können. Partizipation ist, wenn sie bei der Planung des Gebäudes mitentschieden haben.

Stufen der Partizipation

Du weißt nun, dass Partizipation bedeutet, eine Zielgruppe in die Entscheidungsfindung mit einzubinden. Das ist schon ein Umdenken an einigen Stellen. Das gut bewährte Modell „wir überlegen uns, was die Zielgruppe braucht oder sich wünscht, konzipieren dazu ein Projekt und führen es dann mit ihr durch“ wird auf dem Fördermarkt ein Stück weit zurückgedrängt zugunsten von Projekten, die schon im Projektdesign partizipativ gestaltet sind. Will heißen, schon in der Ausgestaltung des Projektes und seiner Maßnahmen soll die Zielgruppe eingebunden werden.

Partizipation gibt es in verschiedenen Ausprägungen. Je nachdem, wie du Zugriff auf deine Zielgruppe hast oder welche Begrenzungen du vielleicht auch in der Umsetzung eines Projektes hast – Stichwort Ressourcen, Personal, Räumlichkeiten – kannst du verschiedene Formen der Partizipation einsetzen. Aber Achtung, nicht alles, was wie Partizipation aussieht ist auch tatsächlich eine solche.

Einen guten Überblick dazu bietet dir dieses Schaubild, das ich auf der Homepage von Jugendcheck Kinderrechte gefunden habe:

Stufen der Partizipation

Methoden der Partizipation im Projekt

Ich roll jetzt mal das Feld ein bisschen von hinten auf. Am Schaubild siehst du in Stufe 5 eine Vorstufe der Partizipation, die Zielgruppe wird befragt und zu dem Projektvorhaben informiert. Sie hat aber keine Beteiligung bei der Umsetzung des Projektes. In Stufe 6 sieht das schon anders aus, hier sind sie auch an der Umsetzung beteiligt und bestimmen mit. Hier ein Vorschlag, wie so etwas in einem Projekt aussehen könnte:

In der Projektentwicklung bindest du deine Zielgruppe ein, Dafür gibt es verschiedene Methoden:

  • Ein Wunschbaum
  • Eine Ampelabfrage
  • Dialog- und Kommunikationswände
  • Interviews eventuell mit Wortpaaren
  • Ein Wunsch- und Meckerkasten

Diese und andere Beispiele findest du auf der Homepage der Beteiligungskiste, den Link dazu gibt`s wie immer am Ende des Beitrages.

Die Ergebnisse dieser Aktionen lässt du in dein Projektdesign einfließen. Die Durchführung deines Projektes kannst du dann wieder partizipativ gestalten in dem du zum Beispiel ein Beteiligungsgremium für deine Zielgruppe einplanst. Das könnte ein große Runde mit allen interessierten Teilnehmenden sein, die bei längeren Projekten vielleicht regelmäßig stattfindet. Oder aber deine Teilnehmenden wählen Vertreter aus, die mit den Projektkräften gemeinsam bestimmte Inhalte planen oder besondere Anliegen der Teilnehmenden in das Projekt einbringen. Möglich ist auch ein Mix aus diesen beiden Formen.

Natürlich kann deine Zielgruppe nicht alles in deinem Projekt entscheiden, manche Bausteine sind vielleicht einfach gegeben – wie zum Beispiel das zur Verfügung stehende Budget oder Personal. Bei den variablen Bausteinen kannst du sie aber durchaus einbinden, je nach Projekt sind diese unterschiedlich. Das könnten Freizeitangebote sein, die du machst, oder Medienangebote, kulturelle oder Sportangebote, Wissensvermittlung und Informationsveranstaltungen, all diese bieten sich an, um die Zielgruppe mit in die konkrete Planung einzubinden.

Was du beachten solltest

Welche Form der Partizipation du auch wählst, einige Dinge solltest du dabei unbedingt beachten:

Machtübergabe

Das Wichtigste zuerst: Es sollte tatsächlich etwas zu entscheiden geben! Echte Partizipation heißt, Entscheidungsmacht an die Teilnehmenden deines Projektes abzugeben. Die Ergebnisse stehen nicht von vornherein fest, sondern werden mit den Teilnehmenden ausgehandelt.

Passende Formate

Deine Partizipationsformate müssen den Besonderheiten und Bedürfnissen deiner Zielgruppe passen, damit diese sich auch beteiligen können und du niemanden ausgrenzt. Dazu solltest du auf verschiedene Aspekte achten.

  • Ist die Sprache zielgruppengerecht? Sie sollte einfach und ansprechend sein, vermeide lange Sätze oder pädagogische Fachtermini. Denk immer dran, der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.
  • Ist dein Format barrierefrei? Können auch Menschen mit Behinderung daran teilnehmen oder Menschen, die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind?
  • Ist dein Format attraktiv? Partizipation muss kein trockener Verwaltungsakt sein, sie darf Spaß machen! Schließlich willst du deine Zielgruppe zur Teilnahme motivieren und sie nicht abschrecken. Zum Ende des Beitrages findest du einige Links zu Methodensammlungen, die auch spielerische Partizipationsformen beschreiben
  • Biete nicht ausschließlich digitale Beteiligungsformate an, kopple diese immer mit einer analogen Variante, um auch die Menschen mitzunehmen, die keinen Zugriff auf die digitale Welt haben.

Zeit

Plane für die Beteiligungsprozesse genügend Zeit ein, sowohl für dich in der Vorbereitung deines Projektes als auch für den Entscheidungsprozess deiner Zielgruppe. Partizipation verändert die Abläufe sowohl während des Projektdesigns als auch während der Projektlaufzeit. Berücksichtige das entsprechend.

Transparenz und Wirkung

Informiere transparent über das, was es zu entscheiden gibt, damit allen Beteiligten die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Entscheidung klar sind. Genauso transparent sollte auch der Ablauf sein, was passiert wann? Welche Ergebnisse sind bei dem Prozess herausgekommen. Kurz, nimm deine Zielgruppe über den gesamten Prozess mit und informiere sie gut.

Dazu gehört auch, die Ergebnisse zeitnah umzusetzen, damit sie für die Teilnehmenden nachvollziehbar und erkennbar sind und sie die Wirkung ihrer Beteiligung sehen.

Mögliche Zielgruppen für Partizipation

Im Schaubild wird als Zielgruppe Jugendliche benannt, aber natürlich gilt es genauso für Kinder, Familien oder Erwachsene jeden Alters. Tatsächlich gibt es für Partizipation keine Altersbegrenzung, sie kann schon im Kindergarten durchgeführt werden. Dort werden entsprechende Projekte übrigens gerade über das bundesweite Programm „Beteiligung im Ganztag“ gefördert.

Ein schönes Beispiel habe ich in der Broschüre „Partizipation und Bildung“ des Ministeriums für Justiz, Frauen, Jugend und Familie des Landes Schleswig-Holstein gefunden. Zum Abschluss des Beitrags gebe ich dir das gerne noch mit:

„Wir haben schon versucht, die Kinder bei der Gestaltung des Außengeländes zu beteiligen. Aber dabei ist überhaupt nichts rausgekommen. Außer Schaukel und Rutsche wollten sie nichts haben.“ Wer die Kinder im Rahmen einer Außenraumgestaltung fragt, was sie sich auf dem Spielplatz „wünschen“, darf sich nicht über die Antworten wundern. Die Kinder werden das benennen, was sie mit dem Begriff „Spielplatz“ verbinden: Schaukel, Rutsche, Sandkasten. Wer davon ausgeht, dass diese Antworten nicht die Bedürfnisse der Kinder widerspiegeln, sollte nicht die Beteiligungsfähigkeiten der Kinder in Frage stellen, sondern das eigene methodische Vorgehen. Die Eingangsfrage impliziert die Antworten. Hilfreicher wäre es gewesen, zu fragen, ob die Kinder sich an Orte erinnern könnten, an denen sie „einmal ganz toll gespielt“ hätten: an den Strand, den Wald oder eine Kieskuhle.

Du siehst, wie gut die Beteiligung gelingt, hängt von vielen Faktoren ab, aber die hast du ja gerade schon kennengelernt.

Wissenswertes zur Partizipation

Wie versprochen kommen zum Ende des Beitrages noch viele Links mit nützlichen Fundstücken aus dem Internet:

Methodensammlungen findest du hier

Infos zur Partizipation, Gelingensvoraussetzungen, Formen und Methoden wären diese hier:


Du hast noch Fragen?

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In der Rubrik „Der Antrag“ findest du viele Tipps zum Schreiben deines Antrages; wie du einzelne Elemente formulierst, Projektziele festlegst, Indikatoren entwickelst oder was du zu Gender oder Nachhaltigkeit schreiben kannst und vieles mehr.

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Bild Monika Vog

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Mein Name ist Monika Vog,

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