4 Tipps für einen klaren, konkreten Anrtagstext
Ich glaube an die Wirkung von Sprache und ich glaube, dass in der Behauptung, Sprache forme unser Bewusstsein, viel Wahres steckt. Sprache ist ein sehr wirkungsvolles Instrument und gleichzeitig das Medium, mit dem du dein Anliegen an deinen Förderer transportierst. Umso wichtiger also, dass du dieses starke Instrument in deinem Antrag auch gezielt einsetzt.
Auf dem Blog gibt es dazu bereits den Beitrag 7 Tipps zum Schreiben eines Antrags, hier findest du nun vier weitere Tipps zur Sprache für einen lebendigen, überzeugenden Antrag.
Bevor wir aber anfangen noch ein Wort vorweg: Natürlich ist gute Sprache nicht der Heilsbringer schlechthin, auch die beste Sprache macht aus einem unstrukturierten Text ohne roten Faden keinen guten Antrag. Die Kombi machts: Struktur, roter Faden und gute Sprache. Und der Sprache widmen wir uns jetzt mit diesen Tipps:
Das Wort „sollen“ im Antragstext
Um gleich auf den Punkt zu kommen: Lass es weg. Benutze kein „sollen“ im Antrag.
„Sollen“ trägt immer eine Ungewissheit mit sich, etwas „soll“ gemacht werden, man weiß aber nicht, ob das auch wirklich passiert. Jeder, der Kinder hat, versteht, was ich meine, wenn ich als Beispiel den Satz anführe: „Die Kinder sollen ihr Zimmer aufräumen“. Ich möchte gerne, dass sie aufräumen, das heißt aber noch lange nicht, dass sie es auch tun.
Vermeide es, diese latente Ungewissheit in deine Projektbeschreibung zu bringen und formuliere alle Sätze, die ein „sollen“ beinhalten, um. Zum Beispiel so:
Die Kinder sollen sich spielerisch und handlungsorientiert mit den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit auseinandersetzen
Besser:
Die Kinder setzen sich spielerisch und handlungsorientiert mit den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit auseinander
Merkst du den Unterschied? Die Formulierung ohne „sollen“ wirkt aktiver, sie schafft schneller ein Bild im Kopf der Person, die das liest. Und das sollte immer das Ziel deiner Formulierungen sein: Ein Bild im Kopf der lesenden Person zu erschaffen.
Diese Umformulierung bringt uns auch gleich zum nächsten Punkt: Der Zeitform, in der du dein Projekt beschreibst.
Was geschieht in deinem Projekt?
Die Zeitform des Verbes in der Frage deutet es schon an: Was in deinem Projekt geschieht beschreibst du im Präsens, also in der Gegenwartsform. Und ja, du hast recht, dein Projekt liegt in der Zukunft, und damit wäre natürlich eine Futurvariante gerechtfertigt. Wenn du aber die Verben in den Präsens setzt, wirkt dein Antragstext wieder aktiver. Schau selbst:
Futur/Zukunftsform:
Das Projekt wird Austausch, Inklusion und Perspektivenvielfalt fördern
Präsens/Gegenwartsform:
Das Projekt fördert Austausch, Inklusion und Perspektivenvielfalt
Prüfe also deinen Text, entdeckst du Formulierungen mit „werden“, dann ändere sie ab in eine Variante der aktiven Gegenwartsform.
Formuliere im Antrag konkret statt allgemein
Ich habe es eben schon erwähnt, Ziel deines Antragstextes sollte es sein, ein Bild im Kopf der Person entstehen zu lassen, die deinen Antrag liest. Wenig hilfreich ist es da, wenn du dich in allgemeinen Formulierungen ergehst, ohne konkret zu werden. Ein Beispiel:
Im Projekt sind unterschiedliche Aktivitäten geplant, die sich an den Bedürfnissen der Beteiligten orientieren.
Entsteht durch diese Formulierung ein Bild in deinem Kopf? Eher nicht, oder? Vielleicht siehst du schon selbst, an welchen Stellen dir hier Informationen fehlen: Unterschiedliche Aktivitäten? Welche denn? Benenne sie. Die Beteiligten? Warum nicht schreiben, wer genau das ist?
Besser wäre diese Variante:
Jeden Dienstag und Donnerstag treffen sich jeweils 10–15 Jugendliche, um Hausaufgaben zu bearbeiten, Bewerbungen zu schreiben und gemeinsam Präsentationen für die Schule vorzubereiten. Welche Themen behandelt werden, legen die Teilnehmenden zu Beginn jeder Woche fest.
Hier steht konkret, wann etwas passiert, was passiert und wie die Zielgruppe – die hier auch benannt ist – ihre Bedürfnisse einbringt.
Benenne wo immer du kannst, Dinge konkret. Das gilt zum Beispiel auch für Kooperationspartner, über die du die Zielgruppe erreichen willst. Schreibe in deinen Text die konkreten Namen deiner Netzwerkpartner, das wirkt wesentlich überzeugender als eine einfache Formulierung á la über unsere Netzwerk erreichen wir die Zielgruppe XY.
Also: „Statt Obst Birnen und Äpfel“ könnte dein Merksatz sein, um in Zukunft in deinem Antrag konkrete Inhalte zu beschreiben, statt allgemeine Formulierungen zu nutzen.
Formuliere positiv
Ein letzter wichtiger Tipp: Achte in allen Antragsteilen darauf, das zu beschreiben, was in deinem Projekt umgesetzt wird und nicht das, was durch dein Projekt vermieden wird. Das gilt besonders für die Projektziele, genauso aber auch für den Zugang zur Zielgruppe, die Maßnahmenbeschreibung, oder die Kurzbeschreibung des Projektes.
Eine wichtige Ausnahme bildet die Beschreibung der Ausgangslage. Hier ist es notwendig und richtig, Problemlagen, Defizite oder Herausforderungen klar zu benennen. Ab dem Moment jedoch, in dem du dein Projekt beschreibst, sollte der Fokus auf dem liegen, was dein Projekt tut, wie es arbeitet und was dadurch entsteht.
Ein Beispiel:
Das Projekt vermeidet komplizierte Zugangswege.
Besser:
Familien kommen spontan zu den offenen Terminen
Warum ist eine positive Formulierung so wichtig? Mein Lieblingsmerksatz dazu ist dieser: „Die Seele kennt keine Verneinung.“
Unser Hirn hat seine eigenen Wege, Gelesenes zu verarbeiten, das Bild, das der erste Satz im Kopf verankert, sind „komplizierte Zugangswege“. Das ist vermutlich nicht das, was du mit deinem Antragstext erreichen wolltest, „offene Termine“ klingt da schon viel besser, oder?
„Nein“, „nicht“, „kein“ und so weiter verarbeitet unser Gehirn nicht oder nur verzögert, hängen bleibt stattdessen das, was du in deinem Satz verneint hast. Ein gutes Beispiel dafür ist der Besuch beim Zahnarzt. Wenn ich dort den Satz höre „keine Angst, das tut gar nicht weh“, steigt meine innere Anspannung. Weder das „nicht“ noch das „kein“ hört oder verarbeitet mein Hirn, ich höre Angst und wehtun. Vielleicht geht es dir genauso?
Also achte bei deinen Beschreibungen darauf, immer die positive Seite, die positive Wirkung deines Projektes zu beschreiben. Nicht das, was du vermeiden oder abbauen willst, sondern das, was durch das Projekt entsteht, sich entwickelt oder verstärkt wird:
Isolation vermeiden -> soziale Kontakte aufbauen
Konflikte verhindern -> konstruktive Konfliktlösung fördern
Überforderung abbauen -> Handlungssicherheit stärken
Defizite reduzieren -> Kompetenzen aufbauen
Ein Wort zu Schluss
Ich weiß, es ist nicht leicht, die eigene Sprache zu verändern, am Ende ist es vor allem eine Frage der Übung. Wenn du die Tipps aus diesem Beitrag im Hinterkopf behältst, prüfst du deine Texte bewusster und formulierst klarer. Mit der Zeit entwickelt sich deine Sprache dann ganz von selbst weiter.
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