Hohe Förderung – Antrag bis 01. April

Im EU-Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ kannst du jetzt einen Antrag stellen, das Programm ist gerade sehr aktiv und hat insgesamt drei Aufforderungen zur Antragstellung veröffentlicht.

Letzte Woche habe ich den Aufruf für Kinderbeteiligung und Kinderrechte vorgestellt, aber auch diese Aufforderung hier ist sehr spannend und mit einer hohen Förderung verbunden.

Das Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“

Dieses Programm wird – so finde ich – seinem Namen nicht gerecht, es klingt nach Paragraphen und Justiz, tatsächlich stecken dahinter aber viele sehr spannende Fördermöglichkeiten zum Beispiel gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, gegen Gewalt und Mobbing oder zur Demokratieförderung auch schon für Kinder.

Es ist ein EU-Programm, das von Brüssel verwaltet wird, aber du kannst hier trotzdem Projekte auf nationaler Ebene bei dir vor Ort durchführen. Wie es bei EU-Fördertöpfen so ist, kannst du nicht jederzeit einen Antrag stellen, sondern nur dann, wenn eine Aufforderung zur Antragstellung kommt. Dann gilt es, schnell zu sein und mit Hochdruck an einem Antrag zu arbeiten.

Höhe der Fördergelder

Die Mühe lohnt aber, denn hier gibt es hohe Fördergelder. Die Mindestantragssumme im aktuellen Aufruf beträgt 75.000 Euro, eine Obergrenze wird nicht genannt. Insgesamt stehen für die drei Schwerpunkte des Aufrufes 12.435.000 € zur Förderung bereit. Für dein Projekt heißt das, dass auch sechsstellige Summen kein Problem sind. Lass uns jetzt mal einen Blick auf die Themen des Programms werfen.

Förderfähige Inhalte des Aufrufes

Der aktuelle Aufruf des Programms „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft trägt den Titel „Fördermöglichkeiten für Projekte zur Vorbeugung und Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Frauen“. Er setzt vier Schwerpunkte, die im Aufruf Prioritäten genannt werden. Diese sind:

1. Verhinderung geschlechtsspezifischer Gewalt

2. Bekämpfung von Online-Gewalt gegen Frauen

3. Schutz und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Frauen, die Opfer und potenzielle Opfer zum Beispiel als Zeugen von Gewalt sind

4. Prävention, Bekämpfung und Reaktion auf Gewalt unter Gleichaltrigen bei Kindern

Du siehst, hier geht es um brandaktuelle Themen. Was genau hinter den einzelnen Schwerpunkten steht, erkläre ich dir jetzt, allerdings nur in Kürze. Im Aufruf findest du genauere Infos, den Link dazu gebe ich dir natürlich auch. Grundsätzlich geht es bei allen vier Schwerpunkten um

  • Aktivitäten zur Sensibilisierungs- und zum Empowerment;
  • Kapazitätsaufbau und Ausbildung von Fachleuten, die mit der Zielgruppe zu tun haben,
  • die Erleichterung des Zugangs zu und den Aufbau von spezialisierten Unterstützungsdiensten für Betroffene,
  • den Austausch bewährter Verfahren und gegenseitiges Lernen.

Doch nun zu den einzelnen Schwerpunkten.

Verhinderung geschlechtsspezifischer Gewalt

In diesem Schwerpunkt wird hauptsächlich Sensibilisierung und Aufklärung gefördert, die sich auf Geschlecht, Geschlechtsidentität und Ausdrucksformen beziehen. Projekte in dieser Priorität sollen Vorurteile und Geschlechterstereotype, Normen, Einstellungen und Verhaltensweisen angehen und verändern, die Gewalt billigen oder fördern. Mögliche Aktivitäten sind

  • Schulungen
  • Maßnahmen, die sich auf die Täter konzentrieren, um neue Angriffe zu verhindern
  • Empowerment- und Interventionsprogramme, durch die Frauen und Männer lernen,  Gewalt in ihrem Umfeld zu benennen, ihr entgegenzutreten und so Vorbilder im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu sein.

Bekämpfung von Online-Gewalt gegen Frauen

Online-Gewalt gegen Frauen vorzubeugen und sie zu bekämpfen, darum geht es in diesem Schwerpunkt. Die Zusammenarbeit mit und zwischen nationalen Aufsichtsbehörden für audiovisuelle Medien, Nichtregierungsorganisationen, IT-Plattformen, nationalen Behörden, Gleichbehandlungsstellen und Strafjustizsystemen wird nachdrücklich gefördert. Die Maßnahmen, die dazu förderfähig sind, findest du hier in schönstem amtsdeutsch:

Sensibilisierung der Öffentlichkeit und / oder von Zielgruppen; 

Information und Unterstützung der (potenziellen) Opfer bei der Entwicklung von Bewältigungsstrategien und der Geltendmachung ihrer Rechte; 

Information und Unterstützung von (potenziellen) Opfern bei der Kennzeichnung oder Meldung schädlicher Inhalte an IT-Plattformen und / oder Strafverfolgungsbehörden;

Kapazitätsaufbau für einschlägige Fachkräfte; 

Prävention und Behandlung anderer Formen geschlechtsspezifischer Gewalt (einschließlich häuslicher Gewalt) mit Cyberdimension; und Vorurteile und Geschlechterstereotype und -normen, die Online-Gewalt fördern oder dulden, abzubauen.

Die Maßnahmen können sich insbesondere auf die Entwicklung von Instrumenten zur Meldung, Kennzeichnung und / oder Entfernung schädlicher Online-Gewaltinhalte gegen Frauen konzentrieren. 

Schutz und Unterstützung von Opfern

Hier werden Projekte gefördert, die sich den Opfern und Zeugen von Gewalt helfen, Traumata, psychische Probleme und psychische Schäden im Zusammenhang mit ihrer Gewalterfahrung zu bewältigen. Derlei Projekte können sich auch speziell an Kinder, Jugendliche und Frauen mit Migrationserfahrung richten. Dazu gehören zum Beispiel

  • Dienste zur Früherkennung, zum Schutz und zur Unterstützung von (potenziellen) Opfern / Zeugen von Gewalt
  • Projekte, die die multidisziplinäre Zusammenarbeit fördern und den Kapazitätsaufbau für einschlägige Fachkräfte im Kontakt mit Opfern stärken,
  • Projekte, die den Zugang zu speziellen Unterstützungsdiensten für Opfer von Gewalt erleichtern.

In der Ausschreibung findest du unter diesem Punkt eine lange Liste von Zielgruppen für solche Projekte, auch die Personengruppen, die besonders gefährdet sind, werden beschrieben. Dazu gehören Flüchtlinge und Migranten, Menschen mit Behinderungen, Roma, Angehörige nationaler, ethnischer oder religiöser Minderheiten, LGBTI, ältere Frauen oder obdachlose Frauen.

Gewalt unter Kindern

Schließlich sind in diesem Aufruf auch Projekte förderfähig, die Gewalt von Kindern an Kindern verhüten oder bekämpfen, hierzu gehört auch Online-Gewalt. Diese Aktivitäten gehören dazu:

  • Opfer und Zeugen von Gewalt aber auch Täter unterstützen
  • Eltern, Fachleuten in Schulen, Jugendorganisationen und Vereinen, im Gesundheits- und Pflegesektor und so weiter unterstützen, damit sie besser auf diese Probleme reagieren können.

Hier können neue Trainingsmodule entwickelt, eingesetzt oder verbreitet werden, insgesamt sollten Projekte einen hohen anwendungsbezogenen Teil haben.

Ein Wort zum Schluss

Ich finde, dass dieser Aufruf viele wichtige Themen anspricht und gute Fördermöglichkeiten hat. Wenn du keine Erfahrung mit EU-Projekten hast, lies dir den Beitrag EU-Fördermittel – ein Überblick durch, dort findest du einiges an Hintergrundwissen und vor allem weitere Quellen, mit deren Hilfe du dich gut auf deinen Antrag vorbereiten kannst.

In der Regel sind EU-Ausschreibungen recht transparent, es gibt viele Infos dazu, was von einem Antrag erwartet wird, welche Inhalte drin stehen müssen und wie sie im einzelnen bewertet werden. Damit dein Antrag gute Chancen hat, solltest du diese Infos aufmerksam lesen und in deinem Antrag berücksichtigen.

Dazu gehört natürlich als erstes die aktuelle Ausschreibung, sie findest du hier. Den englischen Text kannst du dir mit einem Rechtsklick ins deutsche übersetzen lassen. Lies dir bitte aber auch alle anderen Dokumente, die zur Ausschreibung gehören, durch, auch wenn sie langweilig und bürokratisch sind. Nur so bekommst du wirklich ein Gefühl dafür, was hier von einem Antrag und einem Antragsteller erwartet wird.

Ich wünsche dir viel Erfolg!


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