Geschlechtsspezifische Gewalt verhüten und bekämpfen

Alle, die im Bereich häuslicher oder sexualisierter Gewalt arbeiten, sollten sich diesen Aufruf zur Antragstellung anschauen. Hier gibt es einige interessante Fördermöglichkeiten,  auch zur Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder, insgesamt werden 11,7 Millionen Euro verteilt. Allerdings ist die Vorbereitungszeit begrenzt: Bis 13. Juni muss der Antrag eingereicht werden. Hier erfährst du, was förderfähig ist und wo du weitere Infos findest.

Das Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“

Die Förderung, die ich dir heute vorstelle, stammt aus dem Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“, einem Förderprogramm der EU. Es wird von Brüssel aus verwaltet, dort musst du auch einen Antrag einreichen. Die insgesamt 11,7 Millionen Euro, die für diese Förderung bereitstehen, sind also für die gesamte EU gedacht.

Jetzt oder – vielleicht – nie?

Im Beitrag EU-Fördermittel – ein Überblick hatte ich es schon geschrieben, du kannst nicht jederzeit einen Antrag bei diesen Programmen stellen, sondern immer nur dann, wenn eine sogenannte Aufforderung zur Antragstellung kommt.

Die ist dann häufig mit besonderen inhaltlichen Themen verbunden, wie hier bei diesem Aufruf. Leider kannst du nicht davon ausgehen, dass diese Themen bei einem nächsten Aufruf genau so wiederkehren werden. Gut möglich, dass dann andere Schwerpunkte gesetzt werden. Wenn dies also dein Themenfeld ist, prüfe gut, ob sich ein Antrag für deine Organisation lohnt.

Geschlechterspezifische Gewalt und Gewalt gegen Kinder

Im aktuellen Aufruf des Programms Rechte Gleichstellung und Unionsbürgerschaft werden Maßnahmen in zwei großen Themenfeldern gefördert:

  • Vorbeugung und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt
  • Vorbeugung und Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder

Welche Maßnahmen das jeweils konkret sind, erklär ich dir jetzt.

Vorbeugung und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt

Häusliche Gewalt, sexuelle Gewalt, sexuelle Belästigung

Unter diesem Schwerpunkt werden Projekte gefördert, die geschlechtsspezifische Gewalt durch Prävention, Schutz und Unterstützung von erwachsenen Opfern bekämpfen.  

Hierzu zählen auch Opfer sexueller Gewalt, darunter Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, Asylsuchende, Geflüchtete, LGBTI-Personen, ethnische Minderheiten, Frauen mit Behinderungen und Frauen, die auf der Straße leben.

Hierzu zählt aber auch physische oder psychologische Offline- und Online-Belästigung.

Förderfähig im Bereich der Prävention sind Projekte, die

  • Verhaltensänderungen bewirken und das Bewusstsein für häusliche Gewalt schärfen, Zielgruppe von solchen Sensibilisierungs- und Kommunikationskampagnen kann sowohl die breite Öffentlichkeit sein, als auch Fachpersonal zum Beispiel aus dem Bereich der Justiz, Medizin, Bildung und so weiter.
  • Instrumente entwickeln, um frühzeitig Anzeichen häuslicher Gewalt zu erkennen und zu bekämpfen, z.B. Screening durch Ärzte, Sozial- oder Bildungsdienste.
  • Projekte, die Opfern häuslicher Gewalt oder sexueller Belästigung eine Meldung und Zugang zu Schutz- und Unterstützungsdiensten erleichtern.
  • Sensibilisierung von durch sexuelle Belästigung gefährdeten Gruppen wie zum Beispiel junge Erwachsene in sozialen Medien
  • Richtlinien und Handbücher für spezialisierte Unterstützungsdienste zum Beispiel am Arbeitsplatz, in Schulen, Universitäten oder online
  • Vorurteile und geschlechtsspezifische Stereotypen und Normen, die sexuelle Bekästigung fördern oder billigen, bekämpfen

Förderfähig im Bereich des Schutzes sind Projekte, die

  • eine übergreifende Zusammenarbeit von Fachkräften oder Einrichtungen verschiedener Disziplinen fördern,
  • die Kompetenzen und Wissen vermitteln, um Opfern rechtzeitig und wirksam helfen zu können.

 Förderfähig im Bereich der Unterstützung sind Projekte, die

  • die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Opfern stärken, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Unterkünften, Kinderbetreuung, Ausbildung, Schulung und Unterstützung bei der Arbeitssuche
  • Schulungen und Kompetenzaufbau von Fachkräften, die mit der Zielgruppe in Kontakt sind, um dieser eine bestmögliche Unterstützung zu gewährleisten.

Gewalt gegen Kinder verhüten und bekämpfen

Zu Gewalt gegen Kinder zählen alle Formen von körperlicher oder geistiger Gewalt, Verletzung oder Missbrauch, Vernachlässigung oder fahrlässiger Behandlung, Misshandlung oder Ausbeutung einschließlich sexueller Misshandlung. Also ein breites Feld.

Unter diesem Schwerpunkt wird besonders der Aufbau von Kapazitäten und die Schulung von Fachleuten gefördert. Zu dieser Gruppe gehören

  • Medizinisches Fachpersonal,
  • Fachkräfte aus den Sozialdiensten, der Polizei und dem Bildungssektor,
  • forensische Interviewer,
  • Fachkräfte, die therapeutische Angebote und Behandlungen für kindliche Gewaltopfer anbieten.

Mit der Förderung soll folgendes erreicht werden:

  • robuste Prävention, Erkennung, Identifizierung und Reaktion auf ungünstige Kindheitserfahrungen (ACEs) systematisieren, mit einem klaren Fokus auf die Förderung positiver und pflegender Beziehungen, um die Resilienz zu fördern,
  • die Strafverfolgung von Tätern verbessern und weitere Traumatisierung der Opfer vermeiden,
  • ausreichende therapeutische Versorgung für kindliche Gewaltopfer zu schaffen.

Wer kann einen Antrag stellen?

Sowohl öffentliche Einrichtungen als auch gemeinnützige Initiativen oder Organisationen können einen Antrag stellen. Wichtig: es müssen mindestens zwei Partner im Projekt zusammenarbeiten. Das können zwei deutsche Organisationen sein (nationale Partnerschaft) oder eine deutsche und eine internationale Organisation (transnationale Partnerschaft). Natürlich kannst du auch einen dritten oder vierten Partner mit ins Boot nehmen. Wen auch immer du wählst, einer deiner Partner muss eine öffentliche Behörde aus dem Polizei-, Justiz-, Gesundheits-, Kinderschutz- oder Bildungsbereich sein, die aktiv an dem Projekt beteiligt ist.

Förderhöhe und Förderdauer

Die Förderung für dein Projekt muss mindestens 75.000 € betragen, ein Maximum wird nicht genannt. Gefördert werden 80% der Projektkosten, die restlichen 20% kannst du über Eigenmittel, Spenden, Stiftungsgelder oder öffentliche Mittel finanzieren. Wichtig ist dabei, dass diese Gelder nicht aus anderen EU-Töpfen stammen.

Zusätzlich gibt es 7% Pauschalförderung für indirekte Kosten beziehungsweise Verwaltungskosten des Projektes.

Länger als 24 Monate wird das beantragte Projekt nicht gefördert.

Antragsfrist und weitere Infos

Dein Antrag muss bis zum 13. Juni 2019 um 17.00 Uhr eingereicht werden.

Die komplette Ausschreibung mit allen Hinweisen findest du auf dem Funding & Tenders Portal der Europäischen KommissionSchau dort unter Topic Description in der Menüleiste rechts beziehungsweise, wenn du wie ich die Seite auf deutsch übersetzt hast, unter Themenbeschreibung. Auch die nachfolgenden Punkte – Bedingungen und Dokumente und so weiter – solltest du dir durchlesen.

Fazit

Dieser Aufruf bietet Fördermöglichkeiten für sehr viele Projekte im weiten Themenfeld der Gewalt.

Hast du bisher noch keine EU-Anträge gestellt, empfehle ich dir eine gründliche Vorbereitung. Lies dazu LINK. Der Antrag ist nicht ohne, aber auch kein Hexenwerk. Achte besonders darauf, dass du die Formalitäten erfüllst und alle notwendigen Anlagen mit einreichst. Viele Anträge scheitern schon daran, dass notwendige Unterlagen fehlen. Das ist ärgerlich und sollte dir nicht passieren, wenn du schon so viel Arbeit investierst.

Fühlst du dich mit dem Antrag überfordert, weißt aber, dass dieser Topf für deine Organisation genau der richtige ist, dann hol dir Hilfe. Es gibt Beratungsunternehmen, die dich bei der Antragstellung unterstützen, gegen Bezahlung allerdings. Du musst für dich und deine Organisation abwägen, ob diese Kosten lohnen.

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Wer schreibt hier?

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Schön, dass du hier bist.

Mein Name ist Monika Vog,

ich bin Fundraiserin und Fördermittelexpertin für gemeinnützige Projekte und Aktionen.

In meinem Blog dreht sich alles um diese Fragen:

  • Wie finde ich aus den unzähligen Fördermöglichkeiten die passende Förderung für mein Vorhaben?
  • Wie schreibe ich einen überzeugenden Antrag?
  • Was muss ich beim Verwendungsnachweis beachten?

Willst du mehr über mich und den Blog foerdermittel-wissenswert wissen, kannst du hier weiterlesen.

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